Die Geschichte der Ultra-bewegung
Ultrabewegung: Die Ultras sind mittlerweile in aller Munde und prägen vielerorts das Bild und den Support in den Fankurven.
Sie verstehen sich als Herz der Kurve. Zu ihrem Repertoire gehören überdimensionierte Schwenkfahnen, Doppelhalter, Spruchbänder sowie durch einen Vorsänger mit Megaphon (Capo) koordinierte Klatschbewegungen und Sprechchöre. Zudem dürfen pyrotechnische Erzeug-nisse wie Rauch oder bengalische
Fackeln bei einer richtigen Ultra-Action nicht fehlen.
Diese Gruppen singen auch, wenn ihr Team auf dem Feld rumgurkt und Stümperfußball abliefert. Die Spieler kommen und gehen; die Ultras bleiben und wahren die Tradition ihres Vereins, ihrer Stadt oder Region. Diese vermeintlich „neue“ Fangeneration stammt aus den südländischen Gefilden.
Die Anfänge: In den 1950er Jahren schlossen sich in Italien erstmals „fußballverrückte“ Heranwachsende in Gruppen zusammen, welche ihre Mannschaften leidenschaftlich anfeuerten.
Der Name der Bewegung geht angeblich auf eine italienische Zeitung zurück, welche die Anhänger des FC Turin als „Ultrà“ (lat. Ultra = dt. darüber hinaus) betitelte, da jene nach einen Spiel den Schiedsrichter bis zum Flughafen verfolgten.
Welcher Verein die erste Ultragruppe um sich scharte ist nicht eindeutig geklärt, einige Autoren vermuten die „Fossa die leoni“ (Löwengrube) vom AC Milan, andere die Ultras Fedelissimi Granata aus Turin.
Die Entwicklung jener Gruppen vollzog sich in engem Zusammenhang mit der linksgerichteten Protestbewegung italienischer Arbeiter und Studenten. Somit fanden die Ausdrucksformen des Straßenprotests (Spruchbänder, Doppelhalter, Megaphone) Einzug in die Fankurven.
Deutschland: In die deutschen Fankurven zog die Ultrabewegung Mitte der 1990er Jahre ein. In England, welches bisher fantechnisch Vorbild war, wurde die Fankultur aus Angst vor dem Hooliganismus mit repressiven Mitteln unterdrückt.
Die deutschen Privatsender verfügten über die TV-Rechte am südeuropäi-schen Fußball und so wandte sich der ehrfürchtige Blick ab von England in den Süden Europas.
Jetzt: Heute gibt es Ultragruppen von den oberen Ligen bis in die Niederungen der Kreisklassen. Zunehmend auch bei anderen Ball- und Bewegungssportarten (Handball, Eishockey).
Aber: Ultra ist nicht gleich Ultra. Jede Ultraszene hat hinsichtlich ihres Stils, ihres Auftretens und ihrer Philosophie eine andere Prägung. Gemeinsam ist jedoch allen die leiden-schaftliche Hingabe zum Fußball und die Gegnerschaft zur Kommerzialisierung und Eventisierung des Sports (siehe Ultra-Manifest).
Literatur und Lesetipps:
Zum Thema Ultras findet man gegenwärtig sehr viel Literatur. Am Besten einfach mal googeln.
Gabriel, Michael (2004): Ultrabewegung in Deutschland. Von Doppelhaltern und
Choreografien – die Antwort auf den Fußball als Event. In: B.A.F.F. (Hrsg.): Ballbesitz ist Diebstahl. Fußballfans
zwischen Kultur und Kommerz. Verlag Die Werkstatt, 179-194Tiefer in die Materie? Dann hier lang:
http://www.welt.de/politik/article734712/Die_wichtigsten_Forderungen_der_Ultras.html (Abrufdatum: 24.08.2010).