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Überleben in Freiheit


„Und so lernte ich die Geheimnisse der Vielfalt: Das Leben besteht aus verschiedenen Routen. Alles kann so oder auch anders ablaufen, verschiedenen Partituren und parallelen Logiken folgen. Jede der parallelen Logiken ist auf ihre Weise konsequent und kohärent, in sich vollkommen, gleichgültig gegenüber allen anderen.“
(Amos Oz: “Eine Geschichte von Liebe und Finsternis”)

Überleben in Plauen

Foto: Claudia Nielsen

Ich ruhe auf einer Anhöhe umgeben von der lebendigen Stille der Natur. Völlig entspannt ist, wen die Leere erfüllt, wer nichts will und denkt, was gerade nicht ist. Neben mir im Gras liegt ein Aufsatz, der darlegt, dass Freiheit wegen ihrer verschiedenen Verwendungskontexte ein schwer zu definierender Begriff ist. Der Text wirkt blass, verglichen mit der Schönheit um mich herum. Ich spüre, dass im Hier und Jetzt – wo die Zeit still steht – und in mir mindestens ebenso viele Antworten stecken wie in dem Papier. Freiheit findet sich in und an diesem Ort.

Was macht die Freiheit hier aus? Die Möglichkeit zu reisen oder ein buntes Verkaufssortiment? Wohl kaum. Das Fehlen von Pflichten? Könnte sein, auf den ersten Blick, wäre aber zu einfach. Vielleicht ist ja Freiheit das, was mich hergeführt hat. Die fehlende Sorge, etwas zu verpassen, wenn ich allein irgendwo draußen bin.

Formuliert man diesen Gedanken ganz allgemein, ist Freiheit die Möglichkeit, sich für etwas zu entscheiden und bewusst die Konsequenzen zu tragen. Solche Konsequenzen können auch Unannehmlichkeiten sein, weswegen sich bspw. Pflicht und Freiheit nicht gegenseitig ausschließen. Mensch kann also im stillen Kämmerlein sitzen, zähneknirschend über einer Hausaufgabe brüten, dabei aber trotzdem frei sein, wenn er oder sie sich dafür entschieden hat.

Freiheit ist somit keine Freiheit von etwas, sondern zu etwas; nämlich zur Eigenverantwortung: Diese ist nicht viel mehr als die Bereitschaft, sich Mühe zu geben und aus Fehlern zu lernen. Denn verstehen kann man das Leben nur rückwärts, aber leben muss man es vorwärts. Damit ist klar, dass Fehler zumindest ein fester und notwendiger Bestandteil des Lebens sind, wenn nicht gar das Salz in der Suppe. Freiheit ist also nichts für Perfektionisten, denn wer Angst vor Fehlern hat und sie durchweg negativ sieht, muss sich zwangsläufig vor der Freiheit fürchten.

Das letzte Licht des Abendrots erinnert mich daran, dass es Zeit ist zu gehen. Der Text braucht noch eine abschließende Zusammenfassung und dann muss ich nach hause zu Kind und Kegel. Die Freiheit nehm’ ich mir!

Was brauchen wir nun zum Überleben in Freiheit? Freilich …

1. Eigenverantwortung und Lernbereitschaft, also den MUT, Fehler zu machen

2. Geduld mit uns und anderen, also eine gewisse LOCKERHEIT

3. das Verständnis, dass das Leben ein Prozess ist, also WEITBLICK

4. die Fähigkeit, die momentane Situation und Stimmung nicht überzubewerten und nicht alles zu ernst zu nehmen, also HUMOR

5. ein Taschenmesser, einen inneren Kompass und festes Schuhwerk, also Macht euch auf den Weg…

[rSr]

Lesetipp:

Nelson Mandela: “Der lange Weg zur Freiheit”

student.mag #09.2010

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