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GO – das Spiel der Götter

Da wir uns in dieser Ausgabe ja auf einer kleinen Weltreise befinden, möchte ich die Gelegenheit nutzen, euch einmal ein Spiel der ganz besonderen Art vor-zustellen.
Es handelt sich dabei nicht wie üblich, um die neuste coole Markt-erscheinung, sondern ganz im Gegenteil, um das älteste Brettspiel der Welt: Go.

GO - das Spiel der Götter

GO - das Spiel der Götter

Go ist vor über 4000 Jahren im alten China erfunden worden, wo es “Wéi-qí” genannt wird, bevor es vor etwa 1300 Jahren seinen Weg nach Japan fand. Es ist ein Strategiespiel für zwei Spieler und man könnte es auch als “antikes Command & Conquer” bezeichnen, nur dass man hierzu keine fette Computer-Hardware braucht.

Anders als beim Schach hat man beim Go keine Figuren, die man nach bestimmten Regeln hin und her schiebt, sondern man setzt abwechselnd neue Steine auf das Spielfeld, die nicht mehr verändert werden dürfen, mit dem Ziel, Gebiet abzugrenzen. Und wer am Ende das meiste Gebiet (freie Punkte) abgegrenzt hat, hat gewonnen. Das Spielfeld besteht aus 19×19 horizontalen und vertikalen Linien. Die schwarzen und weißen Steine werden auf die Schnittpunkte gesetzt. Durch die Größe des Spielfeldes ergeben sich etwa 4,63 × 10^170 mögliche Konstellationen (zum Vergleich: beim Schach etwa 10^43).

Das Besondere an diesem Spiel ist aber die dahinter stehende Philosophie, da es in der Lage ist, sämtliche Aspekte des Lebens widerzuspiegeln. Wie dem Kampf um Leben und Tod oder dem universellen Gesetz von Ursache und Wirkung, aber vor allem die Erhaltung des natürlichen Gleichgewichts zwischen Geben und Nehmen, sowie Nähe und Distanz, was wiederum nur durch Respekt vor dem anderen und sich selbst erreicht werden kann.

Wenn man sich zu viel nimmt, also versucht, ein zu großes Gebiet zu bekommen, wird man alles verlieren und wenn man zu sehr auf Sicherheit bedacht ist, wird man zu kurz kommen. Denn der Gegner schläft nicht. Es gibt einen Mikrokosmos und einen Makrokosmos und man muss ständig alles im Auge behalten und wach bleiben. Jeder Zug ist eine Entscheidung, die eine Wirkung auf das große Ganze hat und dann zur Ursache für die darauf folgende Reaktion wird, die wiederum eine Entscheidung mit einer Wirkung ist… und so weiter.
Es geht auch darum, Potenziale aufzubauen und effizient zu nutzen, in dem man in weiser Voraussicht plant und geschickt reagiert.

Go spielen schärft logisches Verständnis und gleichzeitig lernt man auch seiner Intuition zu vertrauen. Denn da es trotz seiner gerade mal 5 völlig simplen Regeln so unglaublich komplex ist, dass es sogar bisher noch keinem Computer gelungen ist, einen menschlichen Profi-Spieler zu schlagen, ist klar, dass man mit Logik allein nicht weit kommt.
Und das Schöne ist eben auch, dass sich jede Situation im Go durch Abstraktion auch auf das wahre Leben übertragen lässt, so dass man in manchen alltäglichen Momenten das Gefühl bekommt “Mensch, das ist ja wie beim Go…”

Im ostasiatischen Raum ist Go übrigens ungefähr so beliebt, wie bei uns Fußball. Es gibt sogar Fernsehsender, die die Titelspiele der Weltbesten Go-Spieler live übertragen. Weltweit gibt es ca. 100 Mio Go-Spieler und davon im deutschsprachigen Raum etwa gerade mal 2000.

Falls euch das also neugierig gemacht haben sollte, schaut euch doch das Spiel einfach mal an. Mehr Informationen, vor allem auch zu den 5 Regeln auf die ich hier jetzt bewusst nicht eingegangen bin, findet Ihr natürlich im Internet.

(christian knall)

 

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