Hier findest du die Fortsetzung vom Beitrag “mobbing” aus dem student.mag #8 (Dezember) | Seite 8
1. Was ist Mobbing?
Mobbing ist eine besondere Art von Gewalt gegen Personen. Wissenschaftler sagen, dass jemand gemobbt wird, wenn er oder sie mehrmals und über einen längeren Zeitraum so genannten „negativen Handlungen“ eines oder mehrerer anderer Schüler/innen ausgesetzt ist. Dies kann z.B. in der Schule der Fall sein. „Negative Handlung“ heißt, dass jemand absichtlich einem anderen körperliche Verletzungen oder andere Unannehmlichkeiten zufügt. Mobbing kann mit Worten oder durch Körperkontakt, aber auch durch Mimik und Gesten ausgeübt werden. Auch der Ausschluss aus einer Gruppe oder von Aktivitäten ist Mobbing. Dabei kann von einzelnen aber auch von einer ganzen Gruppe gemobbt werden. In jedem Fall gibt es einen Machtunterschied zwischen „Täter(n)“ und dem „Opfer“. Man spricht daher nicht von Mobbing, wenn gleich starke Gruppen miteinander kämpfen.
Die Taten geschehen vor allem nicht spontan oder zufällig und die Täter agieren immer vor einem „Publikum“. Dieses besteht nicht nur aus „Zuschauern“, sondern oft auch aus „Assistenten“ des Täters.
2. Gibt es Mobbing nur in der Schule oder auch im Arbeitsleben?
Mobbing kommt nicht nur unter Heranwachsenden oder unter Schülern vor, sondern kann in einer von Konkurrenz und Ausgrenzung bestimmten Gesellschaft in allen Lebensbereichen stattfinden – in Firmen und Büros, in der Universität ebenso wie in der Verwaltung. Bei meinen Recherchen bin ich sogar auf Beispiele aus dem Bereich der Polizei gestoßen. Nicht ausschließen sollte man, dass dies – wenn auch als seltene Ausnahmen – in Lehrerkollegien vorkommt.
3. Gibt es den typischen „Mobber“ und was charakterisiert ihn?
Ein Hauptmotiv der „Mobber“ ist die Suche nach Anerkennung, die er an anderer Stelle (z.B. durch gute Schulleistungen) nicht bekommt. Er versucht dann Bestätigung durch einen Teil der Mitschüler zu erhalten, in dem er andere Schüler, seine Opfer, drangsaliert. Tätern gelingt es auf diese Weise Selbstvertrauen zu gewinnen – allerdings auf Kosten von anderen und durch „unmoralisches“ Verhalten.
Ein Mobbing-Täter ist daher nicht unbedingt jemand, der in der Klasse „außen vor“ ist. Aus unseren Untersuchungen wissen wir außerdem, dass das Elternhaus und der Erziehungsstil, der dort vorherrscht, von hoher Wichtigkeit sind. Wenn also jemand keine positive Beziehung zu den Eltern hat und wenig Zuwendung bekommt, erhöhen sich die Chancen, dass jemand zum Täter wird.
4. Ist sich der „Mobber“ bewusst, was er dem „Gemobbten“ antut?
Häufig denkt der Mobber, dass er im Recht sei. Täter haben nicht selten ein gering ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein. Der Hauptantrieb ist, wie ich schon sagte, die Suche nach Anerkennung – und das kann ein unbewusster Prozess sein. Umso wichtiger ist es, dass ein Schulklima hergestellt wird oder besteht, in dem der Einzelne als Persönlichkeit geschätzt und dessen Gefühle geachtet werden – Wissenschaftler bezeichnen dies als „Anerkennungskultur“.
5. Kann jeder Opfer von Mobbing werden?
Grundsätzlich kommen viele Personen dafür in Betracht, Opfer zu werden. Besonders trifft es aber diejenigen, die nicht so stark in die Schulklasse eingebunden sind. Das sind Schüler ohne „Lobby“, die Unsicherheiten zeigen und denen es an Selbstbewusstsein mangelt. Oft besitzen Opfer auch bestimmte Eigenschaften und Merkmale, die als Anlass genommen werden können – dafür gibt es viele Beispiele: Brille, Körpergewicht, Haltung, Schulleistung, Kleidung usw. Außerdem sind die Opfer fast immer jünger und weniger kräftig als die Täter.
6. Gibt es Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen?
Jungen sind viel häufiger Mobbing-Täter als Mädchen – vor allem, wenn es um körperliche Taten geht. Allerdings ist das Vorkommen in den letzten Jahren etwas zurückgegangen. Diese leichte „Besserung“ betrifft besonders die Jungen, während bei Mädchen die Zahlen sogar leicht ansteigend sind. Bei den Opfern gab es früher außer beim Schlagen und Treten keine Geschlechterunterschiede. In der letzten Zeit sind aber auch leicht überwiegend Jungen die Opfer.
7. Mit welchen Möglichkeiten kann ich mich schützen oder wehren?
Für die gesamte Schule ist es wichtig und schützt viele Schüler vor Mobbing, wenn eine Atmosphäre geschaffen wird, in dem niemand Angst haben muss, mitzuteilen, wenn jemand mobbt. Außerdem ist es gut, wenn allen Schülern klargemacht wird, dass Mobbing an der Schule nicht toleriert wird. Falls es doch passieren sollte, müssen der oder die Täter sogleich, von Lehrern, auf Ihr Handeln angesprochen und, wenn nötig, zurechtgewiesen werden. Allerdings hatte ich ja bereits erwähnt, dass Mobbing-Opfer in der Regel randständig sind und kein ausgeprägtes Selbstbewusstsein haben. Daher raten wir den Schulen dringend, Kommunikationsmöglichkeiten und Beratung für diese Schüler anzubieten bzw. zu verbessern. Das kann zum Beispiel die Einrichtung eines Sorgentelefons sein, auch das Aufstellen von Kästen, in die die Betroffene eine Nachricht mit der Bitte um Hilfe einwerfen können, ist ein Weg, Hilfe für diese Schülern zu organisieren.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, sich im Rahmen von Projekttagen, aber auch im Unterricht mit der Vorbeugung von Mobbing zu beschäftigen. Denn zu wissen, welche Handlungen in Ordnung sind und welche zu den genannten negativen Handlungen gehören, macht vielen Schülern bewusst, womit sie anderen „Schlimmes“ antun würden. Dazu gibt es viele verschiedene Präventionsprogramme, die wir in einem Buch aufgelistet und beschrieben haben.i
8. Wo kann ich Hilfe finden?
Gut ist es, wenn es an der Schule Vertrauenslehrer oder Schulsozialarbeiter gibt, die geschult sind, in einem solchen Fall das Richtige zu tun. Aber auch an andere Lehrer kann man sich wenden. Es ist auf keinen Fall ein „Petzen“, wenn man Lehrern oder auch den Eltern erzählt, was vorgefallen ist. Meistens funktioniert es nämlich nicht, dass Mobbing „abzuwarten“, denn von allein löst sich das Problem fast nie!
9. Wie verhalte ich mich wenn ich sehe, dass jemand anderes gemobbt wird?
Hier sind zunächst einmal die Erwachsenen – in der Schule also die Lehrer – gefragt, das Mobbing zu unterbinden und mit den Beteiligten zu sprechen. Häufig ist es notwendig, die Eltern mit einzubeziehen. Wenn dies nichts bringt, müssen sich Schulleitung und Lehrer fragen, welche Maßnahmen dem Opfer helfen und wie sie es gegen weiteres Mobbing schützen können. Im Extremfall haben Eltern, mit denen ich dazu im Gespräch war, ihr Kind auf eine andere Schule geschickt – und der „Spuk“ war sofort zu Ende.
Die Mitschüler können sich mit dem Opfer solidarisieren und ihm beistehen sowie dem Täter zu verstehen geben, dass sie das Mobbing nicht gut finden und ihm daher auch die Anerkennung verwehren, die er so dringend anstrebt. Dazu gehört manchmal etwas Mut, aber am Ende kommt es der ganzen Klasse zu Gute!